1100 - 1200

Zum Schutz der Hofmark gegen äußere Feinde brauchte der Bamberger Bischof Männer, die mit Waffen umzugehen verstanden. Wieviele dieser Leute aus ehemals bäuerlichen Familien kamen, die der Bischof mit rittermäßigen Lehen belehnte, wie viele Dienstadelige (Ministerialen) aus der Fremde damit belehnt wurden, wissen wir nicht mehr.

Zwischen 1100 und 1200 tauchen die ersten diese Geschlechter um Haag auf. Ihre Ansitze unterschieden sich oft nur wenig von den Bauernhöfen.

Das nachweislich älteste Rittergeschlecht um Haag waren die Ritter, die sich nach dem Orte selbst, das heißt "de Hage" nannten. Wie Nachforschungen von Hans Steinwendtner aus Haag vermuten lassen, lag der Rittersitz am Nordhang zwischen den jetzigen Gehöften Schudutz 27 ("Meier zu Haag") und Schudutz 28 ("Meissengut"). Ungefähr eine Wegstunde östlich der Haager Kirche, im Grenzgebiet zwischen Wolfsbach, Strengberg und Haag, oberhalb des Ursprunges des Haager Baches, hatten sie auf der Anhöhe zwischen den genannten Höfen ihre Burg errichtet. Diese Lage gewährte den freien Blick weit westwärts in Richtung Enns.

Zwischen dem nun verschollenen Rittersitz und dem abgetragenen Schloß Klingenbrunn liegt der kleine Weiler Paga. Hier gab es im 13. Jahrhundert ein Rittergeschlecht, das sich Paga nannte und bald wieder bäuerlich geworden sein dürfte. Dazu sei angemerkt, daß sich noch heute der jahrhunderte alte Kirchenweg von der Wolfsbacher-Strengberger Grenze über die Rathäuser entlang dieser frühmittelalterlichen Anlagen nachvollziehen läßt.

Das Geschlecht "de Hage" scheint sogar schon dagewesen zu sein, ehe das Gebiet durch den Bamberger Bischof in Besitz genommen wurde; es wäre dann ursprünglich ein Rittergeschlecht unter Kaiser Heinrich II. gewesen. Da es viele Orte mit dem Namen Haag (Hag) gibt, von denen einige vermutlich ebenfalls Rittersitze waren, die namensgebend für diese Geschlechter sind, ist es schwierig, ja fast unmöglich, zumal es in diesen frühen Zeiten noch keine Familienwappen gab, die einzelnen Geschlechter auseinanderzuhalten.

Welche de Hage (Haager) wo saßen und mit wem verwandt waren, muß einer späteren genealogischen Forschung vorbehalten bleiben. Von den zahlreichen bekannten Rittern de Hage könnten allenfalls Huc (Hugo) und Altmann Bamberger Ministerialen, die auf unserem Haag saßen, gewesen sein, doch scheinen sie 1140, also noch vorher, als Würzburger Dienstmannen auf. Möglicherweise ist auch Pilgrim de Hage unserem Haag zuzuschreiben. Einige vom Stammsitz kommende Ritter dürften in landesfürstliche Dienste getreten sein. Zumindest führt das Babenberger-Urkundenbuch Siboto und Heinricus de Hage auf unser Haag zurück, von welchen vielleicht die spätere Linie der Aspan von Hag abstammte.

Die Hagwalder
Unter den Rittergeschlechtern, die in der bischöflich-bambergischen Hofmark im 12. Jahrhundert seßhaft waren, nahmen die de Hagwalde den vornehmsten Platz ein. Sie waren nicht bloß Ritter, sondern Dienstmannen (Ministerialen) der Bischöfe von Bamberg. Ihnen waren weitreichende Verwaltungskompetenzen innerhalb der Hofmark anvertraut. War doch der Bamberger Bischof weit entfernt; und ein ferner Hausherr ist so gut wie keiner. Unter diesen Umständen wird immer der Mann am wichtigsten, der das Haus, den Besitz für seinen Herrn hütet und verwaltet. Er ist und bleibt immer nur der Dienstmann seines Herrn, ist aber doch diejenige Person, die innerhalb seines Verwaltungsbereiches am meisten anzuschaffen hat. So befehligten sie auch die in der Hofmark dem Bamberger Bischof dienenden Ritter und Bauern, soweit sie es im Namen ihres Herren, des Bischofs, tun konnten.

Größe und Glanz der de Hagwalde beruhte ausschließlich auf der einstens genossenen Gunst des Bischofs; was sie wurden, verdankten sie dem Hochstift Bamberg, das sie wahrscheinlich überhaupt erst hier angesiedelt hatte. Das Wohnen unter dem Krummstab kam den Hagwaldern besonders gut an. Vermutlich hat sich das Geschlecht erst nach seiner Ansiedlung durch einen Bamberger Bischof seinen Namen zugelegt nach dem großen Wald, dem Haager Wald, der das Kernstück der hiesigen Hofmark war, dessen Rodung und Besiedlung mit christlichen Bauersleuten die Hauptaufgabe darstellte. Ihre Burg bauten sie in der Nähe des Bauernhofes "Meier in Hochwall" (Krottendorf 38) - der Name ist nachweislich aus Hagwald und dort entstanden, wo später das Hagwalder Ritterlehen lag und sich heute die Hagwalder Felder (mundartlich: Hochwaller Felder) befinden. Unweit davon liegt auch das Schloß Salberg.